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Die Sonne
Stern unserer Erde

Das beste Buch zum Thema, wenn Sie sich umfassend über die Sonne informieren wollen. Der Autor versteht es nicht nur, die physikalischen Grundlagen darzustellen, ebenso überzeugend wirken die lebendige Sprache, die exzellenten Illustrationen und die didaktische Aufbereitung des Stoffs. Ein wirklich schönes Buch, ideal als Geschenk für alle, die ein Faible für Astronomie haben.

Kenneth R. Lang
Springer Verlag
ISBN 3-54059437-X
Rund 40 Euro

 

 

Astronomie: Sonnenfinsternis
Das Geheimnis der schwarzen Sonne

Während einer Sonnenfinsternis können Sie viele Naturphänomene beobachten und erfahren, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden. Weil jeder Augenblick kostbar ist, sollten Sie sich schon vor dem Beginn einer Sonnenfinsternis intensiv mit den faszinierenden Erscheinungen beschäftigen. Um so intensiver und bewusster nehmen Sie das Geschehen wahr, wenn die schwarze Sonne erscheint. Oder, in den poetischen Worten von Adalbert Stifter während der Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842: "Es war der Moment, da Gott redete und die Menschen horchten".

Protuberanzen
Mit dem Teleskop lassen sich während der totalen Sonnenfinsternis Protuberanzen beobachten. Ihre Intensität und Ausmaße hängen von der Sonnenaktivität ab. Wer mit dem bloßen Auge schaut, kann unter Umständen sogar einen rosaroten Schimmer am Mondrand sehen.

Phänomene am Himmel
Im Verlauf einer Sonnenfinsternis verändern sich die Farben am Himmel und auf der Erde. Der Himmel beispielsweise wechselt vom gewohnten Hellblau in ein tiefes Dunkelblau. Schatten wirken deutlich schärfer als sonst. Dieser Effekt verstärkt sich noch. Am Horizont sind je nach Wetterlage und Bewölkung auch intensive Farbspiele zu sehen.

Plötzlicher Temperatursturz
Während einer totalen Sonnenfinsternis sinkt die Temperatur. Im Schnitt fällt sie vier bis sechs Grad ab. Dadurch verändern sich die metrologischen Bedingungen (z.B. Luftdruck und Feuchtigkeit) am Beobachtungsort und andere Naturphänomene treten in Erscheinung. Dazu gehört der Finsterniswind, der dem Geschehen einen unheimlichen Charakter verleiht. Wer an diesem Tag sein Beobachtungsprogramm auf lose Zettel notiert hat, sollte auf eine kleine Überraschung gefasst sein.

Finsterniswind
Wenn sich die Temperatur plötzlich ändern, geraten gewaltige Luftmassen in Bewegung. Kalte Luft sinkt zu Boden, warme Luft steigt auf. Dadurch kann kurz vor einer Sonnenfinsternis der bewölkte Himmel aufreißen. Eine kleine Hoffnung für alle, deren Beobachtungsprogramm durch schlechte Wetterbedingungen durchkreuzt wird.

Sternenhimmel
Während der Sonnenfinsternis sind auch Sterne zu sehen. Am Taghimmel kann man beispielsweise je nach Jahres- und Uhrzeit Sterne wie Sirius, Prokyon, Capella, Regulus, Kastor und Pollux beobachten. Könnte man mit den Augen eines Computers sehen, würde man bemerken, dass die Sterne in unmittelbarer Nähe der Sonne nicht exakt dort stehen, wo sie sonst zu finden sind. Ihr Licht wird nämlich durch die Gravitation der Sonne um etwa 1,75 Bogensekunden abgelenkt. Diesen Effekt hatte Einstein bereits 1915 vorhergesagt. Er wurde 1919 bei einer Expedition, die A. Eddington leitete, bestätigt. Heutige Astronomen müssen nicht mehr warten, bis sich die Sonne verfinstert: Sie können Einsteins Vorhersagen an Hand von Radioquellen, den
so genannten Quasaren, nachweisen.

Planeten
Bei optimalen Bedingungen können Sie einige Planeten, etwa die Venus, mitten am Tag erkennen. Bei der Sonnenfinsternis von 1999 beispielsweise stand Venus etwa 15 Grad östlich
von der Sonne. Wer sich vorher die Himmelskonstellationen einprägt, kann mit etwas Glück sogar den Merkur erwischen. Was Sie garantiert nicht zu Gesicht bekommen: Den Planeten Vulkan. Ihn haben Astronomen im letzten Jahrhundert verzweifelt gesucht. Urbain J. J. Leverrier hatte um 1846 die Planetenbahnen mit den Mitteln der klassischen Himmelsmechanik neu berechnet und dabei festgestellt, dass die Bahn von Merkur sich nicht in seine Vorhersagen fügte. Seine Erklärung für die Anomalie: Der bis dato unbekannte Planet "Vulkanus" störe die Bahn des Merkur. Wie immer gibt es auch für dieses Phänomen eine naturwissenschaftliche Erklärung: In Einsteins Gleichungen der Relativitätstheorie verwandelt sich Vulkan in eine Krümmung des Raums. Damit war das Rätsel der so genannten Merkur-Peripheldrehung gelöst, so die wissenschaftliche Bezeichnung dieses Phänomens.

Kometen
Das wäre nun wirklich zu viel des Glücks: Wenn Sie während der totalen Sonnenfinsternis einen Kometen entdecken, der in die Sonne stürzt. Unmöglich ist das nicht. Schließlich hat der
Sonnenbeobachtungssatellit SOHO solche Ereignisse regelmäßig fotografiert. Falls Sie keinen Kometen zu Gesicht bekommen - macht nichts: vielleicht entdecken Sie während der Sonnenfinsternis einen Satelliten oder die internationale Raumstation ISS?

Perlschnurphänomen
Wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt, treten kurz vor Beginn der Totalität helle Lichtpunkte an die Stelle der hauchdünnen Sonnensichel. Diese Erscheinung ist noch einmal am Ende der Totalität zu sehen. Der Mond hat nämlich keinen absolut kreisförmigen Umriss, Mondberge und Tiefebenen formen die tatsächliche Gestalt des Mondes.

Brillantring
Sobald nur noch ein Lichtpunkt zu sehen ist, spricht man vom so genannten Brillantring. Dieser Effekt ist nur wenige Sekunden zu sehen. Sobald der Brillantring verschwunden ist, kann die Sonnenfinsternis mit bloßem Auge beobachtet werden.

Fliegende Schatten
Wer sich vom Anblick der Sonne losreißen kann, sollte einen Blick auf den Boden werfen: Dort sind die so genannten fliegenden Schatten zu sehen, die wie die übrigen Naturphänomene nur bei einer totalen Sonnenfinsternis beobachten werden können. Diese Schatten sind ein rasch wechselndes Muster aus hellen und dunklen Streifen. Ihre Breite beträgt zwei bis sechs Zentimeter.

Jörg Reichertz

© Jörg Reichertz, 22. März 2005, alle Rechte vorbehalten


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