|
.

|
Joseph
v. Fraunhofer
"Ich habe mich durch viele Versuche und Abänderungen überzeugt, dass
diese Linien und Streifen in der Natur des Sonnenlichtes liegen, und
dass sie nicht durch Beugung, Täuschung usw. entstehen".
Der Sohn eines Glasers wurde 1787 geboren und starb 1826. Der
Optiker Fraunhofer gilt als
Wegbereiter der astronomischen Spektroskopie. Er beobachtete, dass
die Flammenspektren in
seinem Labor und diejenigen der Sonne durch dunkle Linien
unterbrochen wurden. Solche Linien sah Fraunhofer 1814 auch beim
Studium der Sterne Betelgeuse, Capella, Castor, Pollux,
Procyon und Sirius.
Erst 50 Jahre später fanden Gustav R. Kirchhoff und Robert W. Bunsen
eine wissenschaftliche
Erklärung für dieses Phänomen. Die dunklen Linien im Spektrum des
Lichts entsprachen ganz
bestimmten chemischen Elementen.
Mit der Spektroskopie entschlüsselten die Astronomen nach und nach
die Fingerabdrücke der
Sterne. Der berühmte Rowland-Atlas aus den 40er Jahren listete
bereits 20000 Linien des
Sonnenspektrums. |
# |
Astronomie: Spektralanalyse
Die verborgene Botschaft des Lichts |
Das Licht eines Sterns
verrät viel über sein Alter, seine chemische Zusammensetzung, die
Temperatur- und Druckverhältnisse oder Rotationsgeschwindigkeit. Falls
es eines Tages sogar gelingen sollte, das Licht von fernen Planeten
spektroskopisch zu untersuchen, könnte man den wissenschaftlichen Nachweis führen, ob
der Planet belebt ist oder nicht. Denn auch das Leben hinterlässt seine
Spuren in der Atmosphäre. Diese können wiederum per Spektralanalyse
bestimmt werden.
Sternspektren - so
individuell wie ein Fingerabdruck

Der Fingerabdruck unserer
Sonne. Gezeichnet von Joseph Fraunhofer. Er entdeckte 1814 über 500
Linien im Spektrum der Sonne. Damit lässt sich beweisen, dass überall im
Kosmos die gleichen Elemente - etwa Wasserstoff oder Eisen - zu finden
sind.
Wichtige Fraunhofer-Spektrallinien
|
Linie |
Wellenlänge
(nm) |
Element |
|
C
(H alpha) |
656,28 |
Wasserstoff
(H) |
|
D1 |
589,59 |
Natrium
(Na) |
|
D2 |
589,00 |
Natrium
(Na) |
|
E1 |
527,03 |
Calcium
(Ca),
Eisen (Fe) |
|
E2 |
526,95 |
Eisen
(Fe) |
|
b1 |
518,36 |
Magnesium
(Mg) |
|
b2 |
517,27 |
Magnesium
(Mg) |
|
F
(H beta) |
486,13 |
Wasserstoff
(H) |
|
G |
430,78 |
Calcium
(Ca),
Eisen (Fe) |
|
g |
422,67 |
Calcium
(Ca) |
|
H |
396,85 |
Calcium
(Ca) |
|
K |
393,37 |
Calcium
(Ca) |
Kontinuierliches Spektrum
Ein
kontinuierliches Spektrum entsteht, wenn feste Körper glühen. Auch
Flüssigkeiten oder Gase unter hohem Druck liefern ein solches Spektrum.
Die poetische Variante des kontinuierlichen Spektrums ist der
Regenbogen.
Emissionsspektrum
Ein
Emissionsspektrum strahlen leuchtende Gase bei niedrigem Druck oder
niedriger Dichte aus. Die farbigen Linien sind Hinweise auf die darin
enthaltenen chemischen Elemente.
Absorptionsspektrum
Ein
Absorptionsspektrum bildet sich, wenn das Licht von leuchtenden Gasen
durch ein zweites, kühleres Gas gefiltert wird. Die schwarzen Linien
liefern ebenfalls Informationen auf die darin enthaltenen chemischen
Elemente.
Das System der
Spektralklassen
A.
Harvard-Klassifikation
Jeder Stern ist einer
Spektralklasse zugeordnet. Spektralklassen sind Gruppen von Spektren,
die gemeinsame Absorptions- und
Emissionslinien besitzen. Die Sonne
gehört beispielsweise zur Spektralklasse G2.
Beteigeuze, der Hauptstern im Sternbild Orion, ist ein roter Riesenstern
mit dem Spektraltyp M2. Seine Oberflächentemperatur
beträgt 3200 K.
Ob ein Stern wie die Sonne
in die Spektralklasse G2 fällt, entscheidet die
sogenannte "Harvard-Klassifikation". Sie staffelt die Sternspektren nach
fallender Oberflächentemperatur und unterscheidet sie durch
Großbuchstaben. Am Anfang der Skala geben blauweiße und weiße Sterne den
Ton an - am Ende versammeln sich die roten Sterne mit niedriger
Oberflächentemperatur.
Das einfache
Harvard-Klassifikationsschema lautet: O - B - A - F - G - K - M.
Weil sich diese Buchstabenreihe nicht merken lässt, prägen sich
amerikanische Astronomen einen einfachen Merkspruch ein:
O Be
A Fine Girl Kiss
Me.
Um noch feiner
differenzieren zu können, wählt man eine Dezimalteilung von 0
bis 9. So richtig kompliziert wird es, wenn Astronomen
auch noch Besonderheiten wie starke Metalllinien oder sehr diffuse
Linien im Klassifikationsschema unterbringen wollen. Dann werden
Kleinbuchstaben am Anfang oder Ende der
Spektralklassenbezeichnung als
Kommentar hinzugefügt. Mit g (giant) benennt man
beispielsweise Riesensterne wie etwa Capella = gG0.
Capella ist der Hauptstern im Sternbild Fuhrmann und der fünfthellste
Fixstern. Capella trägt auch den Namen "Ziegenböcklein" (arab. Alhajot =
Ziege).
Im
Harvard-Klassifikationsschema sind noch nicht alle Spektren enthalten.
Es gibt nämlich einige sehr seltene Sterne und planetarische Nebel, die
in eigene Gruppen unterteilt sind (rund 1 Prozent). Sie werden wie folgt
einsortiert: C R N S Q (Novae), P (P
Cygni-Sterne, Planetarische Nebel) und W (Wolf-Rayet-Sterne)
B. MKK-System
Weil das
Harvard-Klassifikationsschema aus wissenschaftlicher Sicht einige
Schwächen aufweist, haben die Astronomen Morgan, Keenan und Kellmann
1943 das MKK-System der Leuchtkraftklassen entwickelt. Die Daten wurden
im gleichen Jahr erstmals in "An Atlas of Stellar Spectra"
veröffentlicht. Die revidierte Fassung erschien 1952. Das MKK-System
differenziert sehr viel präziser zwischen Superriesen, Überriesen,
Hellen Riesen, Normalen Riesen, Unterriesen, Zwergen und Unterzwergen.
Das MKK-System systematisiert allerdings nur Sterne mit normaler
chemischer Zusammensetzung. Es setzt auch einen genormten
Spektrographen
voraus, damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben.
|
Die Harvard-Klassifikation
im Detail |
|
O |
Linien des ionisierten Heliums, Linien
des neutralen Heliums, oft schwache
Sauerstofflinien. |
|
Be |
Linien des neutralen Heliums, Linien des
Wasserstoffs, in Richtung B9 verstärken sich die
Wasserstofflinien, die Linien des
neutralen Heliums werden schwächer. |
|
A |
Bei A0 dominieren die Wasserstofflinien,
gegen A9 schwächen sie sich ab, Metalllinien erscheinen, H- und
K-Linien des einfach ionisierten Calciums tauchen auf. |
|
Fine |
Die Wasserstofflinien werden immer
schwächer, Linien des ionisierten Calciums verstärken sich, Linien
anderer Elemente lassen sich beobachten, Linien von Eisen, Titan und
Calcium vereinen sich zum G-Band. |
|
Girl |
Die Wasserstofflinien ziehen sich weiter
zurück, ionisiertes Calcium sehr stark, zahlreiche Metalllinien - vor
allem Eisen - treten hervor, gegen G9 verdrängen die Eisenlinien die
Wasserstofflinien. |
|
Kiss |
Sehr starke Metalllinien, am stärksten
ist das G-Band, die Wasserstofflinien sind kaum noch wahrnehmbar,
Banden von Titanoxid erscheinen. |
|
Me |
Rote Sterne mit tiefen Absorptionsbanden
des Titanoxids und vielen Metalllinien, das G-Band ist in einzelne
Linien aufgelöst. |
|
R |
Die Cyan- und Kohlenstoffmonoxid-Banden
dominieren das Spektrum. |
|
N |
Die Cyan- und Kohlenstoffmonoxid-Banden
dominieren das Spektrum. |
|
S |
Absorptionsbanden des Titanoxids,
Metalllinien, G-Band, Cyan- und Kohlenstoffmonoxid-Banden. |
|
W |
Breite Emissionsbanden von Wasserstoff,
Linien von neutralem und ionisiertem Helium. |
©
Jörg Reichertz,
22. März 2005, alle Rechte vorbehalten
|
|